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Kigali und andere Abenteuer...

Autor: LisaMarie | Datum: 01 September 2010, 08:01 | 20 Kommentare

Nach einigen sehr ereignislosen Tagen, in denen ich zwar ein bisschen arbeitete, aber mehr so aus meinem Zimmer, bekam ich dann endlich den erlösenden Anruf, dass John Wesley Cordula und mich einladen würde, mit ihm nach Kigali zu fahren und zur deutschen Botschaft zu gehen und in den deutschen Supermarkt und so. Am Mittwochmorgen machte ich mich dann also auf dem Weg zur Busgesellschaft, wo ich ein Tag für den Nachmittag kaufte. Um viertel vor drei saß ich dann auch pünktlich im Bus und um drei ging dann die Reise los.Nach einigen sehr ereignislosen Tagen, in denen ich zwar ein bisschen arbeitete, aber mehr so aus meinem Zimmer, bekam ich dann endlich den erlösenden Anruf, dass John Wesley Cordula und mich einladen würde, mit ihm nach Kigali zu fahren und zur deutschen Botschaft zu gehen und in den deutschen Supermarkt und so. Am Mittwochmorgen machte ich mich dann also auf dem Weg zur Busgesellschaft, wo ich ein Tag für den Nachmittag kaufte. Um viertel vor drei saß ich dann auch pünktlich im Bus und um drei ging dann die Reise los. Irgendwann stieg dann ein Herr ein, der mich direkt fragte woher ich käme und dann sofort wusste wer ich war, weil man scheinbar in einer englischen Gemeinde in Muhanga/Gitarama den Aufenthalt von Cordula und mir angekündigt hatte. In Muhanga angekommen war ich leider noch nicht am Ziel, sondern musste irgendwie noch nach „Kobiri“ kommen. Ich muss wohl ziemlich verloren ausgesehen haben, da sich sofort ein Mann, Claude, meiner annahm(, der zum Glück französisch sprach,) und mir zu einem Bus lotste und sich dort auch darum kümmerte, dass der Busfahrer, der nur Kinyarwanda sprach, mich an der richtigen Stelle raus lassen würde. Als ich dann endlich erleichtert Cordula an der „Kobil“-Tankstelle stehen sah und ich ausstieg, winkte mir dann auch Claude und der ganze Bus wild zum Abschied. In Muhanga war es erst mal ziemlich gut, sich mal wieder austauschen zu können und alle Geschichten und Anekdoten teilen zu können. Am Abend gab es dann wieder typisch ruandisches Essen, das ich fast schon vermisst hatte, da ich in den letzten Tagen auch schon teilweise selbst gekocht hatte. Am nächsten Tag wurden wir dann morgens von John Wesley und seinem Fahrer abgeholt und wir fuhren zusammen nach Kigali zur deutschen Botschaft und zu einigen Supermärkten, die in ihrer großen Auswahl und „Organisiertheit“ schon sehr unwirklich in dieser afrikanischen Stadt waren. Insgesamt war die Stadt an sich nicht so mein Fall, aber irgendwann will ich dort noch mal hin und mal ein bisschen rumlaufen und nicht nur mit dem Auto da herumgefahren werden. Im deutschen Supermarkt (mit ECHTEM Brot, Heinz-Tomatenketschup, Apfelmus, Kartoffelpüree, Haribo usw. usw.) gab es dann eine Cola, um dann weiter zum Essen zu fahren, das wir in Form von Buffet zu uns nahmen. Mittags schaute ich mir dann den Englischunterricht mit an, in dem Cordula auch mit unterrichten wird. Die Klasse war eine sehr interessante Gruppe von ca. 10 ca. 30-40 jährigen Männern und Frauen, die nur in die Grundschule gegangen waren und nun Englisch lernen wollen. Beim Zuschauen kamen mir dann auch schon viele Ideen für meinen eigenen Unterricht hier in Butare. Abends war Cordula dann zu einem Jugendchor eingeladen, in den ich dann einfach mal mitging, bzw. mitfuhr, da wir dorthin mit Motorrad-Taxis fuhren, die wir auch noch erfolgreich um 100 FRW (15ct) herunterhandelten. Der Jugendchor bestand aus ca. 8 Jungs und einem Mädchen, wovon aber die meisten nicht die ganze Zeit blieben, früher gingen oder später kamen. Insgesamt war das eine sehr spaßige Erfahrung, da niemand so richtig einen Plan hatte und niemand die Lieder so richtig konnte, aber da ich einige Lieder aus England kannte, konnte ich mit einigen Melodien helfen. Nach der Chorprobe boten die Jungs dann an, uns noch nach Hause zu bringen und so wurden wir also von 4 Jungs eskortiert, von denen mich zwei dann über Deutschland ausgefragt wurde, zB übers Schulsystem und wie das eigentlich mit dem Heiraten in Deutschland ist (offensichtlich ein sehr spannendes Thema für die Jugendlichen hier, da ich jetzt schon öfter gefragt wurde, in welchem Alter man auszieht und heiratet und ob es stimmt, dass man auch unverheiratet zusammenleben kann) und auch ich konnte ein paar Fragen über Ruanda loswerden. Die Stunde Fußweg ging dann dementsprechend sehr schnell rum und ich wurde eingeladen wieder in den Chor zu kommen, wenn ich noch einmal in Muhanga sein sollte. Nach einer kurzen, vom furchtbaren Hahn von nebenan (da hab ich mir doch glatt meine Moschee zurückgewünscht) unterbrochenen Nacht, trennten sich dann Cordulas und mein Weg wieder und ich landete (wie auch immer hab ich immer noch nicht verstanden) im richtigen Bus. Da ist es doch manchmal ganz schön die „Muzungu“(weiß)-Privilegien zu haben, da extra ein Bus für mich am Straßenrand anhielt, der dann auch nur die „Muzungu“ (nämlich mich ;) ) mitnahm. Ein älterer Herr fragte mich dann auch sofort, ob ich nach Butare wolle (was ich wollte) also schloss ich (zum Glück richtig) daraus, im richtigen Bus zu sein. Am Sonntag im englischen Gottesdienst wurde ich dann wieder herzlich begrüßt und sollte sogar ein Gebet sprechen, da ich ja jetzt keine Besucherin mehr sei (das tat meinem Selbstbewusstsein schon sehr gut!), aber das verschob ich dann mal auf nächste Woche. Was ich allerdings leider nicht mehr auf nächste Woche verschieben konnte war, dass ich ein Lied singen musste. Ich schmetterte also „Jesus in my house“ (verlor natürlich auch prompt zweimal den Faden) und bekam riesigen Applaus und man fragte mich sogar, ob ich eine CD mit dem Lied aufgenommen habe, ich werde also noch ein ruandischer Rockstar ;) Daraufhin wurde ich dann auch direkt in den Chor eingeladen… Ich wusste gar nicht, dass meine Stimme so toll ist, aber freuen tu ich mich natürlich trotzdem! Außerdem hab ich beim Frühstück nach dem Gottesdienst unter anderem Fabian kennengelernt, der unbedingt gerne Deutsch lernen will und mir dann im Gegenzug Kinyarwanda beibringt. Ich hab direkt aus letzter Woche gelernt (auch letzte Woche kamen ja Jugendliche zu mir und wollten mir Kinyarwanda beibringen, aber von denen hab ich jetzt erst mal noch nichts gehört) und direkt einen Termin gemacht, also lerne ich ab jetzt abends Kinyarwanda, was auch höchste Zeit ist, da es mir langsam auf den Nerv geht immer nur meine 5 Worte Kinyarwanda runter zu rasseln und dann die Kommunikation abbricht. Der Nachtwächter Fred, mit dem ich ab und zu parallel koche, versucht mir auch immer wieder etwas beizubringen und lässt mich irgendwelche Sachen nachsprechen, da er allerdings weder Französisch noch Englisch spricht hab ich die meiste Zeit keine Ahnung was er sagt, aber ich hoffe, dass sich das bald ändert! Ich hatte jetzt also schon meine erste Stunde und es macht irgendwie total Spaß! Ich kann jetzt schon (theoretisch) bis 3 Millionen zählen, mich vorstellen und mich nach dem Befinden erkundigen – YAY! Langsam verstehe ich auch, warum die Leute mich Risa oder Rissa oder Reese nennen, in Kinyarwanda gibt es nämlich keinen Unterschied zwischen R und L. In Kigali ist mir dann die Popularität des Präsidenten (wiedergewählt mit 95% glaub ich) nochmal klar geworden. Viele Menschen tragen T-shirts auf denen entweder ein Bild von Paul Kagame ist oder wo auch draufsteht „I voted for Paul Kagame“. In vielen öffentlichen Gebäuden hängen Bilder von ihm und an den Straßenrändern an der Straße zwischen Kigali und Butare sind die Bäume unten weiß angemalt, auch ein Zeichen der Ehre für ihn. Für mich als Deutsche ist das sehr ungewohnt, da ich glaub ich noch nie ein Bild unserer Angie im Kirchenbüro gesehen habe ;) Ich habe mich immer noch nicht richtig an meine Blässe gewöhnt und wie auffällig ich dadurch bin. Ich werde von allen Kindern (rund um die Uhr) mit „Morning“ begrüßt, viele Menschen winken, kommen plötzlich auf mich zu und wollen mir die Hand geben, vorbeifahrende Busse oder Motorräder hupen mich an und einmal machte ein LKW-Fahrer sogar eine Lichthupe. Das schlimmste allerdings für mich ist, dass viele Menschen mir „Muzungu“ hinterherrufen, was mir ein Ruander folgendermaßen erklärt hat: „Für uns ist es ein Wunder, wenn eine weiße Person auf der Straße herumläuft, die müssen wir dann begrüßen.“ Ich nehm das jetzt einfach mal so hin und versuche es positiv zu deuten. Allerdings scheinen die Menschen hier in Butare mich langsam zu kennen und somit kommen nicht mehr alle Bettler und wollen Geld von mir und nicht mehr alle rufen mir „Muzungu“ hinterher. Viele liebe Grüße von der weißen Lady ;)

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