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Stromausfälle, Regenzeit, fliegende Ameisen und Konfirmationen

Autor: LisaMarie | Datum: 09 September 2010, 07:27 | 22 Kommentare

Meine Lieben,

 

Hier kommt mal wieder ein Lagebericht aus dem hügeligen Herzen Afrikas. In letzter Zeit ist zwar nicht viel passiert, da ich nicht wirklich regulär arbeite bisher, allerdings gibt es schon etwas zu erzählen.

Seit Sonntag haben wir jetzt hier also die Regenzeit, das bedeutet, dass es ein- bis zweimal am Tag gewittert, oft abends oder nachts und dass die Straßen ein bisschen vermatscht sind. Außerdem gibt es ab und an mal Stromausfälle, mal nur einige Minuten, Sonntag allerdings ab vier Uhr nachmittags bis zum nächsten Morgen. Ich hab dann oft noch die Vorzüge eines Generators, allerdings lässt es sich auch mit Kerzen, Taschenlampen und einem Buch ganz gut aushalten oder ich geh halt zur Abwechslung mal früh ins Bett. Eine weitere Sache, die mit der Regenzeit kam sind fliegende Ameisen und andere eher unschöne Käfer, das wäre mir relativ egal, wenn die draußen bleiben würden, aber meine Tür nach draußen schließt nicht mit dem Boden ab, also hab ich die furchtbaren Tiere auch bei mir drin, aber andererseits denke ich, bisher hab ich hier so ein luxuriöses Leben, da kann ich so ein paar Tierchen auch ganz gut aushalten.

 

Obwohl ich – wie gesagt – noch nicht wirklich arbeite hat mich der Bischof netterweise bereits zweimal in die „Parishes“, die ländlichen Gemeinden, mitgenommen, weil er dort Konfirmationsgottesdienste gehalten hat. Und wenn ich teilweise in Butare vergesse, dass ich in Afrika bin, sind diese Dörfer ziemlich genau so, wie man sich das als Europäer so vorstellt. Die Häuser sind Lehmhütten an der kleinen Matschstraße, die teilweise eigentlich eher nach meinem Verständnis ein Trampelpfad ist, aber das hält Phineas, den Fahrer und Verantwortlichen für Evangelisation in der Diözese, nicht davon ab, mit dem Geländewagen dadurch zu brettern – besser als Achterbahn!

 

Die Gottesdienste waren dann ziemlich ähnlich zu den Kinyarwanda-Gottesdiensten hier in Butare, allerdings sind die Gemeinden viel lebendiger, denn obwohl auch hier in der Kathedrale getanzt wird, wird auf den Dörfern viel mehr gesungen und getanzt und die ganze Gemeinde macht mit. Manchmal stimmt einfach jemand ein Lied an und alle singen und tanzen mit. Und natürlich kam es so, wie ich es befürchtet habe, man will natürlich auch die Deutsche ruandisch Tanzen sehen! Und ich finde auch, dass das sehr cool aussieht und ich würde es auch unglaublich gerne können, aber ich komme mir unglaublich dumm dabei vor, weil es bei mir einfach gar nicht so aussieht wie bei den Ruandern. Irgendwie geht man ein bisschen in die Knie und stampft und hüpft und springt, dabei streckt man seine Arme aus und bewegt die auf eine bestimmte Weise, wackelt mit dem Kopf und dreht sich. Ich glaube, die verschiedenen Bewegungen macht man dann nach Gefühl, allerdings habe ich sowas als Deutsche nicht im Gefühl, mal sehen, ob sich das je ändern wird, ich kann ja jeden Sonntag im Gottesdienst üben, eine weitere Möglichkeit meinem Motto hier zu folgen: „Beobachten und Kopieren“   ;)

 

Aber zurück zu den Konfirmationen. Die Konfirmanden kamen dann nach der Predigt nach vorne – alle todschick natürlich – und mussten das Vater Unser, Glaubensbekenntnis und die 10 Gebote aufsagen und bekamen dann einen Segen. (Konfirmation scheint hier nicht so eine Party zu sein wie in Deutschland.) Danach gab es dann noch Abendmahl.

 

Während des ganzen Gottesdiensts saß ich natürlich nicht irgendwo, sondern vorne, bei den Pastoren und dem Bischof, auf dem Präsentierteller, was einerseits schön ist, weil ich die größtenteils jetzt kenne und die mir dann auch ein bisschen übersetzen können, denn auch wenn ich schon einige Worte immer wieder höre, wiedererkenne und weiß was sie heißen, reicht das leider immer noch nicht dafür, einem zusammenhängenden Text zu verstehen, andererseits fühle ich mich so extrem fehl am Platze, da ich da in der Reihe der wichtigen Menschen sitze und eigentlich gar nichts mache. Auch bei dem Essen nach den Gottesdiensten sollte ich mir als zweite nach dem Bischof Essen nehmen. Die genauen Hierarchien hab ich noch nicht so komplett durchblickt, bin aber dabei.

 

Letzten Sonntag im Kinyarwanda-Gottesdienst wurde ich dann noch einmal vorgestellt und seitdem kommen immer mal wieder Menschen zu mir und sagen mir, dass sie sich auf meinen Englischunterricht freuen, den ich hoffentlich bald anfange zu geben. Außerdem habe ich am Sonntag das erste Mal völlig unvorbereitet Kindergottesdienst gemacht (Zachäus). Ich dachte eigentlich, ich geh einfach mal mit und schau mir das noch mal an, dem war allerdings nicht so. Irgendwie stand ich plötzlich mit einer Horde Kinder, die natürlich kein Wort Englisch sprachen, vor der Kirche. Nach einigen Minuten kam endlich jemand, der mir dann erklärte, er suche mir jetzt einen Übersetzer und dann könne ich ja Kindergottesdienst machen. Nach weiteren Minuten kam der gleiche Typ dann wieder und übersetzte dann selbst für mich. Ich hab dann also auf Englisch die Geschichte erzählt, so wie ich das auch normalerweise in Deutschland mache, leider ist mir aufgefallen, dass mir das zwar Spaß macht, aber auch wahnsinnig schwer ist, weil ich keine Beispiele geben kann, die die Kinder verstehen, bzw. interessant finden (das Beispiel „Ein Bankangestellter, der auf eine Telefonzelle steigt“ oder „Wie ein Tier im Zoo“  funktioniert bspw. gar nicht). Außerdem hatte ich die meiste Zeit nicht so ganz das Gefühl, dass mein Übersetzer das so rüberbringen konnte, wie ich es meinte. Also vermute ich, werde ich zwar weiter an einem Konzept arbeiten und so, allerdings werde ich selbst wohl nicht so viel KiGo machen, es sei denn, es gibt noch eine andere Möglichkeit, die ich mir noch überlegen muss.

 

Ansonsten gibt es bei mir momentan nicht so viel Neues!

 

Ich hoffe, es geht euch allen gut!

 

Liebste Grüße!

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