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Endlich Arbeit

Autor: LisaMarie | Datum: 30 September 2010, 14:11 | 20 Kommentare

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Meine lieben vernachlässigten Leser!

                                                                       

Nach ein paar Chaos-Tagen mit Umziehen, vielen verschiedenen Impressionen und Aufgaben, bin ich jetzt endlich mal wieder ruhig genug, um euch aufs Laufende zu bringen.

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Mir geht es unverändert gut und täglich lerne ich neue Probleme zu bewältigen, kulturelle, organisatorische und sprachliche.

 

In letzter Zeit habe ich jetzt eine Woche beim Bischof und seiner Frau gewohnt, bzw. hauptsächlich bei seiner Frau, da er seit ca. einer Woche in den USA weilt und dort bis in zwei Wochen auch noch bleibt. In dieser Zeit habe ich viel über Kultur gelernt und inzwischen LIEBE ich das ruandische Essen in all seiner Einfachheit und fehlender Diversität. Obwohl ich am Anfang ein bisschen skeptisch war, liebe ich inzwischen alle Arten von Bananen, Kochbananen, angebraten, gekocht, mit verschiedenen Soßen, püriert, gestampft oder roh! Ich muss wirklich demnächst mal lernen, wie man das alles zubereitet. Das Problem bleibt nur, dass ich den Kram auch kaufen muss und leider ist das nicht so einfach, da mein Kinyarwanda leider zum Handeln immer noch lange nicht gut genug ist und ich daher immer „Europäerpreise“ bekomme, also viel zu viel bezahlen würde. Außerdem war ich noch nie auf dem Markt, ohne den Versuch mich zu bestehlen. Ich kenne inzwischen so einige Tricks der Diebe, aber dennoch hält sich meine Lust auf den Markt zu gehen dementsprechend in Grenzen, mal sehen ob ich da noch irgendwie etwas hinbekomme, dass weniger Leute mich versuchen zu bestehlen und mein Kinyarwanda besser wird, aber ich denke mal, das kommt alles noch, ich bin ja noch ganz am Anfang.

 

Seit vorgestern wohne ich jetzt auch wieder alleine in dem Haus, in dem ich schon die ganze Zeit die Küche mitbenutzt habe. Ich hab drei Zimmer, von denen ich zwei benutze, eins als Schlafzimmer und eins als Wohn-/Arbeitszimmer, obwohl ich das noch nicht eingerichtet habe, aber das ist jedenfalls der Plan – mal sehen was das Wochenende in der Beziehung so bringt.

 

In letzter Zeit hatte ich die Möglichkeit einem Seminar über ein Evangelisierungs-Programm namens „Alpha“ beizuwohnen. Das Programm läuft offensichtlich schon in der ganzen Welt und zielt darauf ab, Menschen durch Gesprächskreise so über Gott und Christsein aufzuklären, dass sie sich im Endeffekt zu einem Leben mit Gott entscheiden. Dieses Programm soll jetzt in allen Kirchengemeinden in Butare/Huye anlaufen und ich bin mal sehr gespannt, wie hoch die Erfolgsrate hier so sein wird. Auf diesem Seminar habe ich dann aber mal wieder sehr viele sehr spannende Menschen von den verschiedensten christlichen Richtungen getroffen, wie eigentlich meistens hier. Außerdem eine sehr spannende Gruppe von Menschen aus NYC, die das Seminar geleitet haben.

 

Am Samstag war ich dann mal wieder bei der Chorprobe des „Worship-Teams“ des Englischen Gottesdienstes und ich habe immer mehr das Gefühl anzukommen. Die jungen Leute (Studenten an der Uni hier) sind einfach wahnsinnig offen und freundlich und geben mir das Gefühl, eine von ihnen zu sein, was ich inzwischen auch irgendwie bin. Nächste Woche wollen sie ein Lied von mir lernen, das wir dann im Gottesdienst zur 3-Jahr-Feier des englischen Gottesdienstes aufführen werden. Außerdem ist am Sonntagmittag/-nachmittag dann auch eine Party zum gleichen Anlass, wo ich hoffe, noch mal ein paar mehr Leute näher kennen zu lernen. In diesem Gottesdienst werden wir dann auch zum ersten Mal in Uniform singen, ich hab sie zwar noch nicht gesehen, aber man erzählt sich, ein beiger Kittel mit rotem Kragen und Gürtel. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass ich zauberhaft aussehen werde! ;)

 

Mit diesen Jugendlichen werde ich dann am 16. Oktober nach Bujumbura in Burundi fahren und dort ein Konzert geben (wenn ich alles richtig verstanden habe ;) ). Ich freue mich wirklich, dass diese jungen Leute so nett sind und mich direkt eingegliedert haben, das macht das Leben hier um einiges einfacher. Inzwischen gehe ich durch die Stadt und treffe immer irgendjemanden, den ich kenne und der ein paar Takte mit mir quatscht, in der Beziehung ist Butare/Huye nämlich doch sehr klein und man läuft sich immer mal wieder über den Weg.

 

Seit Anfang der Woche unterrichte ich jetzt auch endlich Englisch für die Angestellten der Diözese, wie ja schon seit langem angekündigt. Beim ersten Orga-Treffen waren dann auch nach einer halben Stunde nach Beginn 7 von 28 Schülern da und dort haben wir entschieden, dass wir drei Gruppen machen, Anfänger (komplett ohne Vorwissen), Anfänger 2 (mit ein bisschen Vorwissen) und Konversation (Leute, die eigentlich nur an der Flüssigkeit der Sprache arbeiten müssen). Inzwischen habe ich schon die Konversations-Gruppe unterrichtet, bisher nur 2 Frauen (28 und 38 Jahre alt), die aber so wahnsinnig motiviert und vor allem nett sind, dass mir der Unterricht mit denen sehr viel Spaß gemacht hat.

 

Die andere Gruppe, die ich unterrichtet habe sind die Anfänger ohne Vorwissen. Am Anfang war ich ein bisschen unsicher, weil mein Kinyarwanda noch nicht sehr gut ist und diese Leute teilweise zwar Französisch sprechen, aber die meisten auch das nicht. Ich habe auch das Gefühl, dass einige Leute  in der Gruppe auch nicht wirklich Lesen und Schreiben können. Aber diese Gruppe ist dennoch toll! Es sind ca. 12 Leute, die unglaublich motiviert sind. Für den Anfang reicht auch noch mein Kinyarwanda, um zu erklären, was sie gerade lernen und sonst zeige ich halt ganz viel oder versuche auf Französisch zu erklären, was dann eine der Damen für den Rest der Gruppe weiterübersetzt. Schon jetzt, nach zwei Unterrichtsstunden mit dieser Gruppe merke ich, dass tatsächlich etwas ankommt und ich bin ganz stolz, wenn sie mir morgens, wenn ich sie draußen treffe „Good morning, teacher!“ zurufen.

 

Allerdings ist das unterrichten teilweise echt schwierig, da ich nicht vorhersehen kann, was die Probleme für die Schüler sein könnten. Bei deutschen Schülern kann man damit rechnen, dass Probleme mit dem „TH“ auftreten oder so, aber hier habe ich keine Ahnung, wo die Probleme liegen könnten, aber gerade das macht es umso spannender. Ich denke, ihr merkt hier schon, dass ich viel Spaß habe und in der Arbeit wirklich aufgehe.

 

Letztes Wochenende war ich außerdem in der übernächsten Stadt von hier aus, in Ruhango, wo mich jemand mitgenommen hat, um eine „Secondary School“ anzuschauen. Außerdem habe ich mir eine „Secondary School“ hier in Butare/Huye anschauen können und irgendwie bin ich froh, dass ich hier nicht in einer richtigen Schule unterrichten muss, denn so um die 60 Schüler in einem völlig überfüllten Klassenraum ist kein Kindergeburtstag, da singe ich doch lieber „Head, Shoulders, Knees and Toes“ mit einer Gruppe Erwachsener.

 

Hier gebe ich euch mal eine kurze Orientierung übers ruandische Schulsystem. Nach 6 Jahren „Primary School“ gehen ruandische Schüler normalerweise 3 oder 6 Jahre auf eine „Secondary School“, meist sind dies Internate. Dann können sie nach einem Jahr Pause, in dem die Jungs auch ein paar Wochen eine militärische Ausbildung machen müssen, anfangen zu studieren oder sie können direkt Lehrer in einer „Primary School“ werden, je nachdem, welche Fächer sie in der „Secondary School“ belegt haben. Wenn sie studieren bekommen sie meist ein Stipendium vom Staat, was allerdings auch heißt, dass sie nicht unbedingt das studieren können, was sie möchten, sondern da hat der Staat dann auch ein Wörtchen mitzureden, nachdem sie sich die Zeugnisse angeschaut haben und dementsprechend entscheiden, was die vielversprechendste Karriere für den Schüler ist.

 

Das war‘s dann auch schon wieder von mir!

 

Liebste Grüße!

 

Lisa-Marie

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