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Arbeit, Gitarama und Moto-Kämpfe

Autor: LisaMarie | Datum: 18 November 2010, 11:57 | 21 Kommentare

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Meine lieben Leser,

 

Nach wochenlanger Wartezeit kommt hier mal wieder ein Blogeintrag aus dem wunderschönen Herzen Afrikas. Mir geht es nach einer kleinen Frustrationsphase jetzt wieder sehr gut und ich schaue gerne auf die 3 Monate zurück, die ich jetzt schon hier bin, und freue mich auf die 9 nächsten!

 

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Ich bin jetzt hier schon richtig zuhause. Wie die meisten Ruander habe ich nicht nur ein Handy, sonder zwei, damit ich auch meine drei sim-Karten beherbergen kann (Ja, ihr habt richtig gelesen, zwei Handys für drei sim-Karten! Hier gibt es Handys, in die man zwei sim-Karten stecken kann und so eins habe ich natürlich jetzt auch ;) Außerdem wäre es ja auch schade, wenn eine der drei Telefongesellschaften eine super Aktion macht und man die verpasst ;) ). Außerdem gehe ich schon ganz alleine auf den Markt und da mir dankenswerterweise ein Freund eine Marktfrau vorgestellt hat, bekomme ich jetzt auch die normalen Preise. Auf dem Markt kann ich dann auch immer schön meine sehr limitierten Kinyarwanda-Kenntnisse anwenden und die Marktfrauen freuen sich dann zwar, antworten dann aber mir den ihrerseits limitierten Französisch- oder Englischkenntnissen, mein Kinyarwanda sollte sich also noch verbessern. ;)

 

An meinem Englischunterricht hier in der Diözese habe ich auch weiterhin unglaublich viel Spaß. Gerade in der Gruppe, die gar keine Vorkenntnisse haben sehe ich schon große Fortschritte und die Motivation hat noch kein bisschen abgenommen. Auch die zweite Gruppe macht Fortschritte und sie können jetzt größtenteils schon auf Englisch beten. In der dritten Gruppe habe ich immer unglaublich viel Spaß, die Gruppe besteht hauptsächlich aus zwei Frauen (38 und 28), die schon ziemlich gut sprechen und eigentlich nur an der Flüssigkeit ihrer Sprache arbeiten müssen, daher quatschen wir hauptsächlich über irgendwelche Themen, dann gibt es mal einen Grammatikinput hier und dort oder eine Vokabelübung. Aber auch hier merke ich jetzt schon große Fortschritte. Ich bin schon sehr gespannt, was sich hier in den nächsten 9 Monaten noch so tut.

 

Da ich hier momentan noch nicht voll ausgelastet bin und in der Diözese Shyogwe, wo die andere Freiwillige abbrechen musste, viel Arbeit ungetan bleibt und außerdem der Wunsch bestand, dass auch diese Diözese Erfahrungen mit Freiwilligen sammeln soll, bevor nächstes Jahr wieder Vollzeit jemand dort sein soll, arbeite ich jetzt Dienstags und Mittwochs dort. Ich war jetzt schon einmal dort. Dienstags morgens bin ich dorthin gefahren (ca. 1,5 Stunden) und habe dann nach dem Mittagessen mit dem Bischof, neben dem ich in Gitarama in einem ziemlich coolen Haus wohne (Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Bad, Küche mit Abstellraum und Gästezimmer), eine englische Gruppe kennen gelernt, die insgesamt zwei Monate in Ruanda arbeiten. Diese Gruppe hat mich dann zu ein paar Stellen mitgenommen, wo sie Englisch unterrichten, was ich dann übernehmen kann, wenn sie weg sind. Abends habe ich dann mit dem Bischof und dem Koordinator für Bildung in der Diözese einen Plan für meine Aufenthalte gemacht. So werde ich jetzt wohl immer dienstags gegen 10 in Gitarama ankommen, dann zum Englischunterricht in der Stadt-Gemeinde gehen, dann zum Mittagessen zum Bischofshaus fahren, dann nachmittags zurück in die Stadt, wo ich Leuten beibringen soll, wie man mit Powerpoint arbeitet (Ich wurde gefragt „Kannst du mit Powerpoint arbeiten“ woraufhin ich bejahte, daraufhin entschied man dann, dass ich das sicherlich auch unterrichten könnte – werden wir dann mal in der Praxis sehen, wie das so wird). Mittwochs werde ich dann den ganzen Tag im Englischunterricht in drei verschiedenen Gruppen mitarbeiten und nur zum Mittagessen zum Bischofshaus fahren. Den Tag ausklingen lasse ich dann wohl mit einer Chorprobe und danach fahre ich dann wieder ins heimische Butare.

 

Der Englischunterricht dort wird sehr spannend, da ich dort in ein bestehendes Konzept einsteige und Ausspracheübungen u.Ä. machen werde und dort einem sehr interessanten Lehrer assistieren werde, ein echtes Original! Der Gute ist ca. Mitte, Ende 20, studierter Techniker, Reibeisenstimme und schreit gerne rum oder unterrichtet nicht der Klasse zugewandt, sondern aus dem Fenster hängend, übersetzt seltsamerweise immer erst auf Französisch und dann auf Kinyarwanda und hat einen wundervoll starken ruandischen Akzent im Englischen (beim ruandischen Akzent werden L und R austauschbar, außerdem werden oft an den seltsamsten Stellen Vokale eingebaut (bspw. Straße: Street – Sitreet oder Ehre: Dignitiy – Diginity) und die meisten Wörter auch mit Vokalen beendet (bspw. von: of – ofu, Vergangenheit: Past – Pasta), wenn man sich dran gewöhnt hat, fällt es einem kaum noch auf). Auch in der englischen Gruppe streitet man, ob er ein cooler oder ein gruseliger Typ ist. Ich habe da meine eigene Auffassung, ich finde halt, dass er ein echtes Original ist. Ich werde euch aber auf dem Laufenden halten, was ich weiterhin so denke.

 

In Gitarama muss ich außerdem Taxis (kleine VW-Busse, in die man viele Sitze reingebaut hat, um so um die 20 Leute zu beherbergen) benutzen, was ich noch nicht kann, aber nächste Woche lernen werde, da ich in Butare immer nur laufe, weil alles so schön nah ist, oder Motos. Von den Motos hatte ich ja an einer anderen Stelle schon erzählt. Die Motos sind kleine, mehr oder weniger klapperige Motorräder, wo man mit dem Fahrer vorher einen Preis ausmacht und dann an die Stelle gefahren wird, die man dem Fahrer gesagt hat. Das klappt auch meistens, auch dafür spreche ich schon genug Kinyarwanda. Nur eine sehr schöne Geschichte möchte ich euch gerne nicht vorenthalten. (Ich hoffe nur, dass sie geschrieben genauso schön ist, wie erzählt, erzählt habe ich nämlich schon einige Lacher geerntet ;) ). So habe ich also versucht von der Bushaltestelle in Gitarama zum Bischofshaus zu fahren. Ich suchte mir also ein Moto, wo direkt mal einer auf mich zukam, der auch „small small English“ sprach. Ich erklärte ihm also halb Englisch, halb Kinyarwanda wo ich hinwollte und er schien das auch verstanden zu haben. Wir machten also 400RWF aus und los gings. Ich war schon direkt mal total stolz auf mich, wie toll das alles geklappt hatte, bis der Gute dann leider auf eine Nebenstraße abbog, wo uns dann 1000 Leute schon mit „Muzungu, Muzungu“ begrüßten und ich mir langsam Gedanken machte, weil man eigentlich nur der Hauptstraße folgen müsste. Als ich dann meine Sorgen mit meinem Fahrer teilte fragte der dann erneut, wo ich eigentlich hinwolle, das hätte er nämlich wieder vergessen. Ich erklärte ihm also noch einmal. Daraufhin fuhren wir dann in einem waghalsigen Manöver einen relativ steilen Berg auf einem Trampelpfad herunter, landeten dann aber wieder auf der Hauptstraße und ich war erst mal erleichtert. Als wir dann allerdings ankamen hatte er sich überlegt, dass er für den Umweg bezahlt werden sollte und wollte plötzlich 500RWF haben. Normalerweise hätte ich nachgegeben, aber diese Schmach konnte ich mir selbst nicht zumuten, also bestand ich auf meine 400RWF. Leider hatte ich nur einen 500er-Schein. Als ich ihm den gab wollte er dann auch schon losfahren, da aber glücklicherweise an den Motos hinten so Henkel zum Festhalten sind, hielt ich ihn dann direkt mal fest und bestand weiterhin auf mein Wechselgeld. Das muss eindrucksvoll ausgesehen haben, da wir sofort von einer Gruppe Menschen umringt waren und sich andere Motofahrer dazugesellten und zuschauten. Diesem Druck musste mein Motofahrer dann nachgeben und ich bekam nach einigen Minuten dann endlich mein Wechselgeld. Ja, ich würde sagen, ich werde hier jeden Tag etwas erwachsener und hoffe, bald auch richtig Handeln zu können, da ich das bisher noch nicht kann ;) Seitdem hatte ich aber keine Probleme mit Motofahrern mehr.

 

Das war’s jetzt erst mal. Ich werde sehr bald, vllt schon jetzt sofort, einen weiteren Blogeintrag verfassen, da ich ja am Wochenende mit meinem Chor in Burundi, Bujumbura war.

 

Bis dahin erst mal,

 

Tschüß und Murabeho!

 

Eure Lisa-Marie

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