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Chorfreizeit in Bujumbura

Autor: LisaMarie | Datum: 18 November 2010, 13:38 | 20 Kommentare

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Meine Lieben,

 

Hier kommt wie versprochen ein Blogeintrag über mein Wochenende in Bujumbura/Burundi.

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Schon seitdem ich Teil von Tehillah bin (der Chor des englischen Gottesdienstes hier in der Kathedrale), redete man davon, dass man in die burundische Hauptstadt Bujumbura fahren wolle, weil da eine Einladung des Chores in der St. Mark Gemeinde ausstand, da diese auch in Butare waren. So sollte dies also am 16. Oktober stattfinden. Aus verschiedenen Gründen war dies allerdings nicht möglich und so entschied man, dass wir am 13. November unsere Reise ins Nachbarland antreten wollten.

 

So wurde also ausgemacht, dass wir uns um 7 Uhr an der Kirche treffen würden, um dann zusammen zum Bus zu gehen und diesen dann um 9 Uhr Richtung Bujumbura zu nehmen. Meine Pappenheimer kennend war ich ca. um 7.30 Uhr fertig zum Abmarsch, da es aber regnete und bei Regen das Leben in Ruanda einfriert, rief ich vorsichtshalber mal die Präsidentin des Chores an, die mir bestätigte, dass sie noch auf dem Weg seien, aber so in ca. 10 Minuten da seien. Gegen 8 machte ich mich dann auch mal auf den Weg zur Kirche – und war immer noch die erste und einzige. So wartete ich also bis viertel nach 8 bis dann eine zweite Person kam und dann noch mal ca. 10 Minuten, bis der Rest langsam aufkreuzte. Dann mussten wir in Windeseile die Uniformen einpacken und zur Tankstelle laufen, an der der Bus schon mit laufendem Motor wartete. Wir sprangen also nachdem man noch kiloweise Süßigkeiten kaufte in den Bus und los ging die Reise nach Bujumbura.

 

Nach einer Dreiviertelstunde durch die wunderschöne Landschaft Ruandas, woran ich mich immer noch nicht sattsehen kann, kamen wir dann an die ruandische Grenze, wo es auch ganz unkompliziert und strukturiert ging und wir sehr schnell unseren Ausreisestempel bekamen. Nach ca. 3 Minuten Fußweg durchs Niemandsland über den Grenzfluss standen wir dann auch schon vor der burundischen Grenze, an der eine riesige Schlange vor dem einen Fenster stand, an dem man einen Einreisestempel bekommen konnte. So war also genug Zeit für einige Chorkollegen, mir anzubieten, mir zu helfen bei der Einreise, da ich 20 Dollar bezahlen müsste, um einzureisen. So wechselte also jemand für mich RWF in Dollar und mit meinem ausgefüllten Einreiseschein stand ich dann also flankiert von ein paar ruandischen Chorkollegen am Schalter, um meinen Stempel zu bekommen. Leider war der eine Dollarschein ein bisschen ramponiert und eine minikleine Ecke fehlte. Daher musste dann einer dieser Dollarscheine noch einmal umgetauscht werden und solange blieb dann mein Reisepass auch bei dem Beamten. Als ich dann endlich fertig war und meinen Reisepass wiederhatte ging es dann auch bald darauf weiter nach Bujumbura.

 

Schon nach der Grenze sah Burundi ganz anders aus als Ruanda. Ruanda scheint ein viel reicheres Land zu sein und viel weiter entwickelt. Sogar die Landschaft wurde ab der Grenze anders. So wuchsen viel mehr Palmen und Stauden am Straßenrand als es in Ruanda der Fall ist. Nach einer halben Stunde gab es dann eine kleine Pinkelpause für die Jungs, da wir einfach irgendwo anhielten, da war die Möglichkeit für die Mädels eher begrenzt. In dieser Pause wurden dann ca. 7 Packen Bananen gekauft (ca. 30 Bananen pro Packen) und in den nächsten 10 Minuten auch komplett weggeputzt, die Bananenschalen dann einfach aus dem Fenster geschmissen. Ich wünschte, ich hätte ein Bild machen können von dem wegfahrenden Bus mit den ganzen Bananenschalen dahinter.

 

Nach weiteren 2 Stunden ca. kamen wir dann an der St. Mark-Cathedral an, wo wir schon von vielen Menschen erwartet wurden und umarmt und Händegeschüttelt und Küsschen rechts- Küsschen links – und das mit jeder dort wartenden Person. Danach bezogen wir Mädels dann unser Quatier. Wir hatten drei Zimmer, eins für unsere erwachsene Begleiterin Mama Sam, dann eins für 4 Mädels (2 Matratzen) und eins für 2 (1 Matratze). Ich bezog mit der Präsidentin Pauline das Zimmer für 2. Nach einem Dankgebet, dass wir so gut angekommen waren, gingen wir zurück zu den Jungs und probten ein paar Lieder für den Gottesdienst am nächsten Morgen. Dann gab es gegen 3 Uhr endlich Mittagessen, was auch dringend nötig war, denn trotz Lutschern und Bananen waren die meisten sehr ausgehungert.

 

Danach gingen wir zurück zu unserem Quartier, um uns chic zu machen, da als nächstes ein Gottesdienst anstand. Netterweise übersetzte man für mich, da Kinyarwanda und Kirundi sich, so ähnlich wie British und American English, sehr ähnlich sind. Nach drei Stunden traf man sich dann wieder im Versammlungsraum, um Tee und Abendessen zu sich zu nehmen. Danach probten wir für den folgenden Tag und die Gottesdienste, in denen wir singen würden. Die Lieder waren hauptsächlich auf Kinyarwanda und tatsächlich kann ich jetzt einige auch fast auswendig, wenn jemand mit mir singt. Dennoch sang ich im ersten Gottesdienst nicht mit und machte lieber ein paar Fotos.

 

Abends fielen wir dann todmüde ins Bett, um am nächsten Morgen dann um 6 Uhr wieder aufzustehen, 6 Mädels durchs Bad zu schleusen, dennoch viel zu spät zum Frühstück zu erscheinen, die Uniformen überzuwerfen und zur Morgenandacht zu gehen, in der wir von unserem Leiter Innocent den Presbytern (jedenfalls irgendwie sowas), Pfarrern und Bischof vorgestellt wurden. Danach ging es dann zum Gottesdienst, der zu meiner großen Überraschung pünktlich anfing. Hier beginnen Gottesdienst immer damit, dass Pfarrer, Katechisten und wenn anwesend der Bischof und seine Frau einziehen und ihre Plätze mit Gesicht zur Gemeinde einnehmen. Hier in Butare wird dieser Zug immer von einem Chor begrüßt, in Bujumbura übernahmen diese Aufgabe ca. 10 Kinder, die vorne traditionell tanzten.

 

Der Gottesdienst war sehr schön und die Chöre sehr gut! Vor allem der Kindergottesdienst-Chor hat mich tief beeindruckt. Der Chor bestand mindestens aus 100 Kindern, die dann ein sehr schönes Lied sangen „I am not forgotten – God knows my name!“ (Ich bin nicht vergessen, Gott kennt meinen Namen).

Nach dem Mittagessen fuhren wir dann in einer kleinen Gruppe ins Zentrum Bujumburas. Wir nahmen dafür einen Bus. Ich bin ja aus Ruanda schon einiges gewöhnt, aber die Busse in Bujumbura waren noch voller und auf noch mehr Leute ausgelegt, bei gleicher Größe. Auch Bujumbura verstärkte meinen Eindruck vom Anfang, dass Ruanda reicher und strukturierter ist als Burundi. Wir steuerten dann durch die überfluteten Straßen, da es eigentlich durchgängig regnete, zielstrebig auf einen Laden zu, in dem wir ein Geschenk für den Typen kauften, der den Austausch der Chöre möglich gemacht hatte. Nach ca. 30 Minuten in dem Laden entschieden sich die Mädels dann endlich für ein Bild, dass ich jetzt hier nicht bewerten will, aber ich hätte es vermutlich nicht gekauft.

 

Um 3Uhr sollte der nächste Gottesdienst anfangen und wir nahmen dann auch schon pünktlich um 5 nach 3 ein Taxi, bzw. 2 Taxis zurück zur Kirche, zogen uns schnell um und kamen dann viel zu spät zum Gottesdienst, waren aber mit 3 Mädels immer noch die ersten aus unserer Gruppe. Der Gottesdienst war dann auch wieder sehr schön, leider war ich schon sehr müde, da mich diese fremdsprachigen Gottesdienste immer sehr anstrengen und wir ja schon einen am Morgen gehabt hatten.

 

Nach diesem Gottesdienst hatten wir dann eine kleine Pause, bis wir uns wieder in dem Versammlungsraum zusammenfanden und nach dem Essen, bei dem ich mich mit einer Dame aus der Gemeinde unterhielt und meine erste Einladung bekam, ein weiteres Mal die Gemeinde zu besuchen, ein paar Reden geschwungen wurden. Bis zu dem Punkt hatte ich mich schon gewundert und gefreut, dass ich trotz meiner anderen Hautfarbe so normal behandelt worden war. Das war dann leider vorbei als der Bischof der Diözese Bujumbura eine Rede hielt, die ich zwar nicht verstand, aber übersetzt bekam und in der es hauptsächlich wohl um mich ging. Wie toll es sei, dass ich nach Bujumbura gekommen sei und dort auf diesen Matratzen schlafen würde und mich nicht beschweren würde und wie schön bescheiden und demütig ich wäre und wie toll es wäre, dass ich meine gewohnte Umgebung verlassen hätte, um in Afrika zu leben und zu arbeiten. Als wäre das nicht schon schlimm genug, sagten mir dann die Leute um mich herum, dass ich jetzt auch etwas sagen müsste.

 

Ich hielt also eine mehr oder weniger Oscar-reife Rede, in der ich dann dafür dankte, dass man mich so wundervoll in Burundi aufgenommen hätte, ich stolz wäre, eine scheinbar gute Botschafterin für Deutschland zu sein und wie nett man mich auch in Butare aufgenommen hätte und wie dankbar ich dafür wäre, dass man mich mitgenommen habe.

 

An dem Abend quatschten wir Mädels dann noch ziemlich lange im größeren Zimmer und als Pauline und ich dann zurück in unser Zimmer gehen wollten, klemmte die Tür leider so sehr, dass wir sie nicht mehr aufbekamen. Somit schliefen wir dann also mit 6 Mädels auf 3 Matratzen und waren am nächsten Morgen wieder viel zu spät beim Frühstück, weil alle Sachen von Pauline und mir in diesem anderen Zimmer waren und wir uns somit noch nicht fertig machen konnten oder so. Als die Tür dann endlich auf war, taten wir unser Bestes, schnell zu sein und waren dann zwar zu spät, aber immer noch nicht später als die meisten anderen beim Frühstück. Danach wurden wir von einem Bus abgeholt, um ein bisschen an den Tanganjika-See zu fahren, bevor wir wieder unsere Heimreise antraten. Leider begann es mal wieder in Strömen zu regnen, als wir aus dem Bus stiegen, somit machten wir ein paar Fotos, setzten uns unter den Sonnenschutz und warteten auf dem Bus, der uns wieder nach Butare bringen sollte.

 

Wir verabschiedeten uns also von unseren Gastgebern, bekamen viele Einladungen, die Gemeinde noch ein weiteres Mal zu besuchen und setzten uns dann in den Bus in Richtung Heimat. Auf dem Weg wurden dann noch massig Mangos gekauft und auch mir wurden von Freunden welche angedreht, die ich dann hinterher in Butare verschenkte, da ich leider mit Mangos (und Papayas) nichts anfangen kann. Die Mangos waren in Plastiktüten – und ich hatte gar nicht an das Plastiktüten-Verbot in Ruanda gedacht, doch vor der Grenze gab es dann an tausenden Stellen Stoff- und Papiertüten zu kaufen und man verfrachtete die Mangos in Rucksäcke und neu-erstandene andere Taschen und Tüten. Danach ging der Grenzübergang abgesehen von Regen wie aus Kübeln relativ glatt.

 

Nach einer weiteren Dreiviertelstunde Busfahrt kamen wir dann endlich wieder in Butare an. Die Reise war echt toll, aber auch sehr, sehr anstrengend. Ich bin sehr froh, dass ich diese Möglichkeit hatte.

 

Das war’s dann für heute!

 

Gott schütze euch!

 

Lisa-Marie

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